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Geschrieben von: 55555 am: 24.10.21, 11:09:45
Zitat von feder:
Vergleichbare Intensität hinsichtlich Kommunikationsbedürfnis

Zuerst finde ich persönlich ersteinmal ausreichend Komunikation nötig, um sich mit anderen Menschen überhaupt hinreichend abzustimmen was den Umgang untereinander angeht, das Empfinden gegenüber einander. Ich finde es furchtbar so grob aneinander vorbeizuleben wie die allermeisten Menschen es nach meiner Beobachtung tun. Was ich zwischenmenschlich bei Menschen sehe, die (wenn überhaupt) gerne mündlich miteinander sprechen, überzeugt mich kaum je.

Wenn da ein zunehmend akzeptabler, dann guter Stand zwischen Menschen erreicht wäre, könnte derartige Kommmunikation dann zunehmend dazu dienen in die Tiefe zu gehen, sich vielleicht auch gemeinsam zu engagieren.

Kommunikation würde nach meinen Begriffen weniger Selbstzweck sein, als verschiedenen anderen für mich wertvollen Zwecken dienen.


Geschrieben von: mor am: 25.10.21, 01:42:38
@feder danke für die Links


Zitat von 55555:
Zuerst finde ich persönlich ersteinmal ausreichend Komunikation nötig, um sich mit anderen Menschen überhaupt hinreichend abzustimmen was den Umgang untereinander angeht, das Empfinden gegenüber einander.
Was heißt bei dir "ausreichend" bezüglich der Kommunikation?

Und beim Empfinden gegenüber dem Anderen meinst du wohl, wie der Eine den Anderen einschätzt?

Zitat von 55555:
Ich finde es furchtbar so grob aneinander vorbeizuleben wie die allermeisten Menschen es nach meiner Beobachtung tun.
Woher willst du wissen, dass manch Menschen grob aneinander vorbeileben? Ist das dein Empfinden so?

Zitat von 55555:
Kommunikation würde nach meinen Begriffen weniger Selbstzweck sein, als verschiedenen anderen für mich wertvollen Zwecken dienen.
Wäre das nicht auch Selbstzweck, wenn Andere für "dich wertvollen Zwecken" dienen? Oder verstehe ich den Zusammenhang gerade nicht? Aber so gesehen sollte Kommunikation zwischen Anderen und dir so sein, dass diese Menschen dann nützlich wären, für dich?


Geschrieben von: 55555 am: 25.10.21, 11:21:01
Zitat von mor:
Was heißt bei dir "ausreichend" bezüglich der Kommunikation?

Daß es wenigstens ausreicht um irgendwie diesem Zweck zu entsprechen. "Gut" wäre, wenn das auch gut laufen würde.
Zitat:
Und beim Empfinden gegenüber dem Anderen meinst du wohl, wie der Eine den Anderen einschätzt?

Eine Einschätzung wäre vielleicht noch etwas, das mehr "gedanklich weiterverarbeitet" wäre. Das wäre etwas anderes als die Fähigkeit Empfinden gut in Worte fassen zu können. "Empfinden" wäre was eben ist in einem Menschen, Einschätzen schon mehr interpretieren?
Zitat:
Woher willst du wissen, dass manch Menschen grob aneinander vorbeileben? Ist das dein Empfinden so?

Mein Empfinden sagt mir das, es kann aber auch aus anderen Dingen abgeleitet werden, etwa dem was andere Menschen sagen. Nicht nur über mich, sondern z.B. auch oft NA untereinander.
Zitat:
Wäre das nicht auch Selbstzweck, wenn Andere für "dich wertvollen Zwecken" dienen?

Wenn Kommunikation von jemandem betrieben würde, weil ihm die Situation "Kommunikation" an sich etwas gibt, z.B. sich nicht alleine zu fühlen, dann könnte man vielleicht sagen, sie wäre für denjenigen Selbstzweck. Nicht Selbstzweck wäre Kommunikation, wenn sie Mittel wäre, um etwas anderes zu erreichen, das dann auch weiterbestehen könnte ohne immer weiter laufende Kommunikation.

Das "andere" bei mir hast du wohl falsch eingeordnet, mir ging es da um "andere Zwecke".


Geschrieben von: mor am: 25.10.21, 14:33:07

Zitat von 55555:
Daß es wenigstens ausreicht um irgendwie diesem Zweck zu entsprechen. "Gut" wäre, wenn das auch gut laufen würde.

Das erinnert mich an das Schulnotensystem.

1=sehr gut
2=gut
... und so weiter. Ist dies so bei dir gemeint?

Zitat von 55555:
Das "andere" bei mir hast du wohl falsch eingeordnet, mir ging es da um "andere Zwecke".

Oh, das "andere" bezog sich also nicht auf Menschen. Ja, dann hatte ich es wohl anders interpretiert.


Geschrieben von: 55555 am: 25.10.21, 15:15:58
Zitat von mor:
Das erinnert mich an das Schulnotensystem.

Wenn du so willst.


Geschrieben von: 55555 am: 30.10.21, 12:39:37
Wenn jemand z.B. ein Fisch ist, dann würde er sich im Wasser wohlfühlen. Ein Landtier an Land. Es sind einfach Unterschiede, die auch den Umgang dieser Arten untereinander wohl faktisch ersteinmal limitieren.

Hier ginge es mir um die Ebene von Kommunikation. Sich mitzuteilen hat für viele Wesen auch eine starke "Wohlfühlkomponente". Wenn Autisten, die in der Autistenkommune wohnen würden emotional gesehen mündliches Sichausdrücken ihrem Inneren als viel näher erleben, das ist das wohl ersteinmal so. Im Alltag hatte sich dann ja gezeigt, daß solche Autisten dann eben aus ihren eben ihrer Natur entsprechenden Veranlagung viel untereinander mündlich redeten, also mit den anderen Autisten im Haus, die emotional wohl lieber mündlich kommunizierten. Das führte dann erfahrungsgemäß immer wieder dazu, daß keine gemeinsamen Gespräche über Themen der gesamten Hausgemeinschaft mehr stattfanden. Die "Mündlichen" warend arin eher "kurz angebunden", hatten sich in mündlichen Privatrunden schon abgesprochen und festgelegt, es kristallisierte sich immer mehr eine interne Spaltung heraus, bei der die emotional eher zum Schreiben veranlagten Autisten in einem stark zu Mündlichem tendierenden Allgemeinumfeld zunehmen deutlich intern an den Rand gedrängt wurden.

Ich weiß einfach nicht, wie man das künftig effektiv besser ausgestalten könnte außer eben keine Leute mehr aufzunehmen, die im Vorfeld schon den Eindruck machen eher mündlich zugänglich zu sein. Und das sind eben bisher eigentlich die meisten gewesen, die sich bei uns bisher meldeten, weil wohl wieder die eher schriftlich veranlagten Autisten oft gar nicht auf die Idee kommen eine solche Lebensgemeinschaft zu suchen, weil sie gar nicht damit rechnen, es könnte etwas in der Art geben (keine neue Situationsanalyse, aber ich komme da einfach konzeptionell gar nicht weiter).


Geschrieben von: PvdL am: 28.06.23, 18:04:31
Ich habe mir hier nicht alles durchgelesen. Ich gebe es am besten direkt zu. Gleichwohl möchte ich auch festhalten, daß mir die Schriftform immer lieber ist, wenn etwas aus der Kommunikation herauskommen und dieselbe nicht nur Kontaktpflege sei soll. Ich merke es wieder, so wie ich dieses hier schreibe. Es läßt sich so viel leichter strukturieren, kontrollieren und nötigenfalls korrigieren. Außerdem kann man immer wieder nachschauen und vermeidet so, immer wieder dasselbe zu besprechen. Kurz gesagt: Aus Vernunftgründen bin ich für die Schriftform.