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In eine reguläre Schule gehen, enge Freunde haben, Partnerschaften eingehen: Für viele Autisten ist das undenkbar. Doch es gibt immer mehr Therapiemethoden, um autistische Symptome schon bei Kleinkindern abzumildern - und ihnen damit ein fast normales Leben zu ermöglichen.
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Viele Jahre tummelten sich bizarre Methoden auf dem Therapiemarkt, die Wunderheilungen versprachen. Wie etwa die Festhaltetherapie: Bei dieser Behandlung wurden autistische Kinder, die auf Berührung durch andere aggressiv oder stark verängstigt reagieren, trotz Gegenwehr fest von der Mutter umarmt. Irgendwann, so die Hoffnung, würde das Kind nachgeben und die Nähe der Mutter zulassen. Nicht nur ethisch, sondern auch wissenschaftlich ist diese Methode stark umstritten.
Lange Jahre galt auch die Psychoanalyse als sinnvolle Therapiemethode. Inzwischen gehen Experten aber davon aus, dass sie bei Autismus nicht hilft. Ebenso spielen Medikamente bei der Behandlung nur eine Nebenrolle. Höchstens um einzelne Symptome wie Aggressivität einzudämmen, dürfen Arzneimittel verabreicht werden.
Alltagsnahe Übungen und Rollenspiele
Inzwischen setzen sich vermehrt Verhaltenstraining und alltagsnahe Übungen und Rollenspiele durch. Sie sollen autistischen Kindern und Jugendlichen ein möglichst selbständiges Leben ermöglichen. Die sogenannte angewandte Verhaltensanalyse, kurz ABA ("Applied Behavior Analysis"), ist einer der am besten erforschten Ansätze. Therapeuten trainieren damit soziale Fähigkeiten, die Interaktion mit anderen und versuchen, stark störendes Verhalten schrittweise abzubauen.
Die grundlegende Methode ist simpel: Erwünschtes Verhalten wird belohnt. Doch die Therapie braucht Zeit. "Kindern mit frühkindlichem Autismus das Sprechen beizubringen, dauert bei einigen sechs Monate, bei anderen bis zu fünf Jahre", erzählt die Sozialtherapeutin Juliane Succow vom Autismus Therapiezentrum in Berlin.