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Geschrieben von: Mama am: 01.12.09, 21:07:38
Ich würde gerne in den Angehörigenbereich freigeschaltet werden.:)


Geschrieben von: haggard am: 01.12.09, 23:51:38
Bist du dir sicher, selbst nicht autistisch zu sein, oder bestehen diesbezüglich zweifel? (Frage mal so.)


Geschrieben von: Mama am: 02.12.09, 07:51:06
Diese Frage verunsichert mich ein wenig, azrael.
Natürlich habe ich mir auch schon mal diese Frage gestellt. Ich bin allerdings sehr sensibel, obwohl das ist mein Sohn doch auch.
Ich bin vielleicht auch nicht "normal" wie die "Menschenherde" es sich vorstellt.
Ich muß sagen, azrael, diese Frage verunsichert mich doch sehr!


Geschrieben von: haggard am: 02.12.09, 11:11:19
verunsichern sollte diese frage nicht.
jedoch lese ich hin und wieder von elternpersonen, die irgendwann meinen, selbst autistisch zu sein und ich frage mich, warum sie das nicht schon vorher meinen oder woran das liegt.


Geschrieben von: Mama am: 02.12.09, 11:56:43
Seit ich darüber nachdenke, ziehe ich Parallelen zu dem Verhalten/ den Eigenschaften meines Sohnes und mir. Sehr vieles ist identisch. Sagt mir doch bitte was Autismus ausmacht, ich meine nicht einen Fragebogen oder einen Selbsttest.
Ich weiß, daß das nicht zu pauschalisieren ist; und trotzdem muß es Eckpfeiler geben.
Ich bin nun wirklich durcheinander....
Wenn man Autist ist, wäre es möglich, nach Aussen "normal" zu funktionieren, innerlich im Chaos zu leben und diese Chaos in einer Sucht zu minimieren? So, das es möglich ist den Schein zu wahren?


Geschrieben von: haggard am: 02.12.09, 14:00:25
autisten haben die "pflicht" (scheinbar) nach außen "normal" zu erscheinen.;) das ist ja das besondere in dieser gesellschaft.

du könntest mehr über dich berichten, damit eventuell ein externer eindruck gewonnen werden kann.

eckpfeiler... jetzt muss ich auch nachdenken...


Geschrieben von: 55555 am: 02.12.09, 16:06:52
Vielleicht kann ja z.B. connySL dazu noch etwas beitragen, die eine solche Erkenntnisentwicklung vollzogen hatte.


Geschrieben von: Mama am: 02.12.09, 20:29:46
Denk nicht weiter über die "Eckpfeiler" nach, azrael. Ich denke nur, wo bitte hört "normal" auf und wo fängt "anders" an? Es kann doch nicht nur an diesen Fragebögen oder an Auswertungen von Interessen liegen. Bei der Diagnostik meines Sohnes wurde ich 4 Stunden befragt, teilweise konnte ich mich gar nicht mehr an manches erinnern. Es wurde mir suggeriert, das manche Dinge, die ich für normal halte (besser: die für mich keine Wertung haben), "anders" sind.

Aber nun zu mir:
-habe keine Affektivität zu Fotos (Erinnerungen sind in meinem Kopf gespeichert)
-mag keinen Schnickschnack; klare Linien bevorzuge ich (manchmal schmeiße ich alles mögliche weg; weil es mich stört
-ich brauche Struktur, feste Zeiten
-schreibe lieber anstatt mich von Angesicht zu Angesicht zu unterhalten(habe bei Gesprächen immer das Gefühl, ich müsste ständig reden)
-verstehe manche Dinge nicht, brauche manchmal mehrere Tage um das Gehörte nachzuvollziehen
-liebe Ruhe, mag kein Fernsehen, Musik manchmal schon und dann auch gerne laut
-das wichtigste aber, habe ständig das Gefühl alles falsch zu machen und das schon als Kind (hat sicherlich mit meiner Erziehung zu tun)
-kann meine eigenen Gefühle nicht beschreiben

es gibt noch einiges über mich, muß aber nicht jeder wissen.
(diese Eigenarten sind für mich normal, so bin ich eben!
Wenn ich nicht auf die Einhaltung achte, fühle ich mich schlecht. Ich versinke im Chaos, bin unkonzentriert, angespannt, weiß nicht wo ich anfangen soll.)


Geschrieben von: Mama am: 04.12.09, 09:27:46
So!
Nun habe ich mich 2 Tage mit diesem Thema auseinandergesetzt: "Könnte es sein das ich Autistin bin?"
Ich habe mir diese Frage selbst beantwortet: Nein!
Ich bin sehr einfühlsam im Umgang mit Menschen, sehr hilfsbereit, höre gerne zu. Unterhaltungen, in denen es um mich geht, meine Art, meine Ansichten, über mein tiefstes Inneres mag ich nicht. Das hat etwas mit Vertrauen zu tun, dieses kann ich nicht aufbauen. Der Grund liegt sehr wahrscheinlich in meiner Kindheit......hat mir mal ein Psychologe gesagt.
Struktur bedeutet Sicherheit, ich brauche klare Anweisungen, sonst klappt das halt nicht. Warum? Kindheit?
Das ich Fotos überflüssig finde, da mein Kopf doch alle wichtigen Dinge speichert, ist wohl so, weil die meisten Leute meinen Errinnerungen (Momente) werden vergessen. Warum? Wenn etwas einen tiefgreifenden Eindruck auf mich hinterlassen hat, werde ich dies nie vergessen, mein Kopf ist mein Fotoalbum.
Das ich manche Dinge nicht verstehe hat mehrere Gründe:
- zu viele Informationen auf einmal
- ich bin nicht "multitasking", das bedeutet, auch ich habe oft eine Reizüberflutung (fremde Umgebung, störende Nebengeräusche, andere Moralvorstellungen)
- manchmal spricht mein Gegenüber allerdings auch für mich in einer "anderen Sprache". Dies bedeutet, ich verstehe ganz einfach nicht was der Jenige meint.
Das ich kein Fernsehen mag, hängt daran, das es eine solche Flut an Programmen gibt. Ich kann nicht aussortieren was mich interessieren würde. Und bei Dokumentationen werde ich beeinflußt von dem Journalisten, so daß ich mir kein eigenes Bild machen kann. Daher auch meine Gier nach Büchern. Dort mache ich mir mein eigenes Bild. Das Fernsehen stiehlt mir auch meine Zeit, nicht nur während ich zuschaue sondern auch hinterher, wo ich über das Gesehene nachdenke.

Nun möchte ich noch erklären, warum ich immer denke,das ich alles falsch mache:
Meine Eltern haben mir immer das Gefühl gegeben, das ich nicht zu Ihnen gehöre. Ständig Fehler aufgelistet; wenn ich mich zurückzog (was ich immer schon gerne gemacht habe!), hieß es, das sei für ein Kind in meinem Alter nicht normal. Heute bin ich 38 Jahre alt und es werden immer noch Fehler gesucht und mein Verhalten als nicht normal bezeichnet. Ich habe in meinerKindheit nie Komplimente bekommen, dies ist wohl der Grund warum ich heutzutage nicht weiß damit umzugehen.
Dies bringt mich letztendlich noch zu dem Punkt meiner Gefühlsbeschreibung ("Kann meine Gefühle nicht deuten"): ich kenne nicht den Unterschied zwischen Wut, Hass, Enttäuschung,....Scham, Liebe. Aber ich kenne das Gefühl "Angst". Ich unterscheide meine Gefühle in gut und schlecht. Ich kann also meine Gefühle eigentlich nicht benennen, habe nur von anderen gelernt (aus Büchern), was ich sagen muß, in welcher Situation.

Es tut mir leid, das ich zweimal hintereinander einen längeren Text erstellt habe. Aber es hat mir einfach keine Ruhe gelassen. Diese Chaos musste raus aus meinem Kopf.


Geschrieben von: Mama am: 12.12.09, 15:27:58
Könntet ihr mir bitte bestätigen, das ich NA bin. Möchte das Thema in meinem Kopf abschließen.


Geschrieben von: haggard am: 12.12.09, 18:36:06
so aus der ferne ist das zwar schwierig - aber dann sei es so.;) fachärzte gibt es wahrscheinlich auch nicht. also, wenn du das für dich so bestimmt hast, dann ist das so.


Geschrieben von: Mama am: 13.12.09, 08:45:28
Danke, azrael!
Dennoch kommen mir in letzter Zeit immer mehr Zweifel. Da ich in diesem Forum sehr viel erkläre. Bedeutet, ich mache mir Gedanken darüber, warum ich so bin wie ich bin. Finde manchmal Stolpersteine. Ereignisse die ich mir nicht erklären kann.
Vielleicht ist das aber auch nur, weil man eine Begründung haben möchte für das "Anderssein" des eigenen Kindes. Was den Autismus angeht, habe ich mehrere Theorien für das "Warum". Allerdings habe ich diese noch nirgends bestätigt bekommen, so das sie wohl zu weit hergeholt sind.