drvaust
(stillgelegt)

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@azrael
Dein Beispiel würde ich nicht als 'jemanden ernst nehmen' bezeichnen. Das ist eine ernst zu nehmende Situation, das kann ernsthafte Konsequenzen haben, aber die Person, im Sinne von Persönlichkeit, würde ich nicht ernst nehmen. Wenn mich jemand überfällt, ist das für mich ein Gegner, der ausgeschaltet werden muß, keine Person.
Wenn mich jemand bittet, ihn ernst zu nehmen, ist das für mich eine Bitte, ein Wunsch. Ich würde nachdenken, ob ich ihn besser ernst nehmen sollte, ob ich ihn nicht ernst genug genommen hatte, ob ich ihn falsch eingeschätzt hatte. Ich erfülle nicht jeden Wunsch.
Für mich bedeutet 'jemanden ernst nehmen' nicht, daß ich ihm einfach zustimme, sondern daß ich mich ernsthaft mit ihm auseinandersetze. Dazu gehört auch der Meinungsaustausch, das Ausdiskutieren evtl. unterschiedlicher Meinungen. Ich nehme jemanden nicht ernst, wenn ich ihn nur reden lasse ohne ihm zu wiedersprechen, evtl. gelegentlich Floskeln von mir gebe, dabei aber nicht groß über das Gesagte nachdenke.
Wenn ich jemanden ernst nehme, ist das nicht immer positiv für diesen. Wenn ich jemanden als Gegner ernst nehme, bereite ich mich auf einen ernsthaften Kampf vor.
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