24.06.17, 17:43:09
Kaleidoskop
Jetzt habe ich so viel gesehen, gelesen und gehört...
Ich habe Wissen, ich beginne, zu verstehen - im Bezug auf andere, eine große Hilfe im Umgang mit anderen Betroffenen.
Bisher hatte ich ja nur die eine Freundin. Gestern begleitete ich meinen Mann auf seiner letzten Tagestour - auch hier ein Autist. Dieses Mal ein Junge. Habe ihn beim Aussteigen und fragen, ob er sich selbst abschnallen kann (will) zum ersten Mal aus nächster Nähe gesehen und WIRKLICH mit allen Sinneskanälen wahrgenommen - auch "ungefährlich". Wahrscheinlich ergab sein Check-Up das selbe Ergebnis.
Kurz noch mit der Mutter gesprochen, weil mein Mann viel positiv von ihr sprach. Warmherziger Mensch. Er hat es gut bei seiner Familie.
Irgendwann gab er mir die Hand und sagte "Tschüs", Gespräch ging noch etwas weiter, wie es dann dazu kam - keine Ahnung. Aber plötzlich fiel er mir in die Atme (also spontane Umarmung), dass ich etwas perplex war, mich aber trotzdem gefreut habe, ist, denk ich, nachvollziehbar, zumal er nicht jeden umarmt. Mein Mann sagte mir dann auf der Fahrt nach hause, dass er sehr direkt ist - entweder er mag dich, oder nicht, was er auch zeigt und unveränderlich bleibt...
Immer noch knusper ich an der Frage rum " bin ich...? Oder bin ich nicht...?". Ich sehe so viele Parallelen und doch bin ic auch anders. Weil ich nichts über meine frühe Kindheit weiß, habe ich keine zuverlässigen Hintergrundinfos. Irgendwas sagt, wenn, dann "der sog. frühkindliche HFA".
Da ich in so vielen Punkten keine Unterstützung hatte, musste ich nur sehr viel selbst erarbeiten und dieses lernen. Ich bin nicht schlecht darin, mir etwas autodidaktisch durch Lesen oder Beobachten beizubringen. Deshalb bin ich ja auch in so vielen Bereichen "unauffällig" (gewesen?).
Genau diese Unauffälligkeit lässt mich an meiner vermuteten "Selbstdiagnose" zweifeln. Ebenso die Überschneidung mit PTBS-Symptomen.
Ich sehne mich nach "diagnostischer" Klarheit. Ich könnte es sogar akzeptieren, Betroffene zu sein - trotz des Wissens um die Unheilbarkeit. Ich WEISS, dass man mit Autismus genausogut leben kann, wie als NA. Man muss nur an einigen/vielen Stellen anders arbeiten/denken, um Probleme, die den Alltag beeinträchtigen, zu verringern/überwinden. Es ändert auch nichts an meinen Stärken, wenn man mir sagte, ich sei Autistin. Ich bin weiterhin sehr empathisch - und ich habe NIE Mimik lesen dafür gebraucht. Ja, ich kann viele Emotionen auf Bildern nicht erkennen - wen interessierte?
Ich bin extrem sprachgewandt. Ich kann mich auf Details konzentrieren und z. B. Anträge von Kunden Schritt für Schritt abarbeiten - am Ende nehme ich alle Fakten zusammen und kann über den Antrag entscheiden, denn es gibt zum einen Vorgaben für "ja/nein" und ich entscheide meistens faktenbasiert.
Kommunikation, am Telefon oder persönlich mit Fremden habe ich während meiner Ausbildung gelernt/verbessert.
Auch ohne Arbeit bin ich in der Lage, meinen Tag zu strukturieren, was Ärzte sich wegen meiner DIS nicht vorstellen können.
Nur hätte ich ENDLICH gern Gewissheit - auch wenn es nicht zwangsläufig (viel) mein Leben verändern würde. Ich brauche halt Namen für die Dinge, die mit mir los sind. Sie sind nur Etikette, die im Ernstfall schnell als Überschrift und gleichzeitiger Erklärung(sansatz) liefern.
Ich weiß, von hier kann/darf ich ich keine Diagnose erwarten... aber Meinungen...?
05.07.17, 22:10:52
Kaleidoskop
Ich habe jetzt den einen Artikel zwischen Donna Williams und einer Jennifer gelesen. Beide sind Autistinnen. Aus Donnas Büchern ging latent hervor, dass sie auch eine DIS haben könnte. Aber das war alles so mysteriös, so anders ausgedrückt als die Begriffe, die von Multiplrn verwenden.
Im Interview stellte sich heraus, dass sowohl Donna, als auch Jennifer nicht nur Autistinnen sind, sondern auch eine Dissoziative Identitätsstörung haben, also aus mehreren Persönlichkeiten bestehen.
Auch wenn ich keine offizielle Autismus —Diagnose habe, bestätigt sich mein intuitives Gefühl, selbst Autistin zu sein. Und wahrscheinlich geht jeder Anteil unterschiedlich mit seinem Autismus um und bei jedem ist er dann wohl unterschiedlich ausgeprägt. Und wir haben alle mehr oder weniger gelernt, ‚normal‘ zu wirken. Deshalb kann mein Mann sich das nicht vorstellen, dass ich Autistin bin.
Aber bei der DIS könnten sich das auch keiner vorstellen, weil ‚ich so ‚normal‘ wirk(t)e...