ABA-Jubelartikel bei spiegel.de
28.01.13, 12:37:37
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Unglaublich:
Zitat:
In eine reguläre Schule gehen, enge Freunde haben, Partnerschaften eingehen: Für viele Autisten ist das undenkbar. Doch es gibt immer mehr Therapiemethoden, um autistische Symptome schon bei Kleinkindern abzumildern - und ihnen damit ein fast normales Leben zu ermöglichen.
[...]
Viele Jahre tummelten sich bizarre Methoden auf dem Therapiemarkt, die Wunderheilungen versprachen. Wie etwa die Festhaltetherapie: Bei dieser Behandlung wurden autistische Kinder, die auf Berührung durch andere aggressiv oder stark verängstigt reagieren, trotz Gegenwehr fest von der Mutter umarmt. Irgendwann, so die Hoffnung, würde das Kind nachgeben und die Nähe der Mutter zulassen. Nicht nur ethisch, sondern auch wissenschaftlich ist diese Methode stark umstritten.
Lange Jahre galt auch die Psychoanalyse als sinnvolle Therapiemethode. Inzwischen gehen Experten aber davon aus, dass sie bei Autismus nicht hilft. Ebenso spielen Medikamente bei der Behandlung nur eine Nebenrolle. Höchstens um einzelne Symptome wie Aggressivität einzudämmen, dürfen Arzneimittel verabreicht werden.
Alltagsnahe Übungen und Rollenspiele
Inzwischen setzen sich vermehrt Verhaltenstraining und alltagsnahe Übungen und Rollenspiele durch. Sie sollen autistischen Kindern und Jugendlichen ein möglichst selbständiges Leben ermöglichen. Die sogenannte angewandte Verhaltensanalyse, kurz ABA ("Applied Behavior Analysis"), ist einer der am besten erforschten Ansätze. Therapeuten trainieren damit soziale Fähigkeiten, die Interaktion mit anderen und versuchen, stark störendes Verhalten schrittweise abzubauen.
Die grundlegende Methode ist simpel: Erwünschtes Verhalten wird belohnt. Doch die Therapie braucht Zeit. "Kindern mit frühkindlichem Autismus das Sprechen beizubringen, dauert bei einigen sechs Monate, bei anderen bis zu fünf Jahre", erzählt die Sozialtherapeutin Juliane Succow vom Autismus Therapiezentrum in Berlin.
Quelle
28.01.13, 16:06:14
schuschu
das macht mich nahezu sprachlos.
ich hatte wohl die rosarote brille auf und dachte, wir wären schon etwas weiter, dass es im denken der leute eine wandlung gegeben hätte. war wohl eine illusion.
was um alles in der welt passiert da gerade? zu der zeit als mein sohn noch jünger war, war von therapien nie die rede. oder deshalb , weil ich selbst das nie in erwägung gezogen habe?
die psychologin damals, warv immer gegen therapien bei autisten. sie sagte, kein autist braucht therapien sondern leute und ein umfeld , das versteht respektiert und das umfeld passend gestaltet.
steckt da eine lobby dahinter? was könnte der grund , das motiv sein, diese therapien nun so hochzufahren?
28.01.13, 16:22:49
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Ja sicher steckt da eine Millionen-Lobby hinter. Die agiert international und macht mächtig Druck um ihren Umsatz weiter zu steigern.
28.01.13, 20:00:55
schuschu
geht es dabei wirklich nur um umsatz? oder vielleicht auch um was anderes?
28.01.13, 20:28:47
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Für manche Elterngruppen vielleicht um die Illusion für sie als lästig erscheinende Verhaltensweisen loszuwerden oder das Kind "zur Lebensertüchtigung" sonstwie anzupassen?
28.01.13, 20:36:00
Waldstein
Kaum Eltern würden es wohl zugeben, aber den meisten ist ein autistisches Kind irgendwie peinlich. Sie schämen sich, wenn ihr "Kind" in aller Öffentlichkeit ausrastet, sich in ihren Augen unhöflich benimmt, obwohl es doch auf anderen Ebenen nicht behindert erscheint und gar überdurchschnittliches Wissen zu haben scheint.
Dazu kommt, dass sich viele NTs nicht vorstellen können, dass es auch andere Formen des Zufriedenseins geben könnte als ihre eigene. Die Tragik ist, dass viele NTs ja selbst gar nicht glücklich sind, aber dennoch wollen, dass ihre Kinder genauso sind wie sie selbst.
28.01.13, 20:39:42
Bicycle
Man darf bei solchen Berichten nicht vergessen, dass es auch viele Menschen gibt die das Gegenteil tun.
Nur kann man schlecht einen Art Werbeartikel über Menschen schreiben, welche Autisten, bzw. jeden Menschen, so nehmen wie er ist. Oder kann man solche Menschen kaufen?
28.01.13, 21:02:15
Waldstein
Mich würde mal interessieren, was aus solchen übertherapierten Autisten langfristig geworden ist. Ich würde nämlich fast wetten, dass von denen, die ständig therapeutisch verwurstet wurden, am Ende so gut wie keiner selbständig geworden ist und eigenständig sein Leben auf die Reihe bekommt. Ich befürchte, dass die meisten im betreuten Wohnen enden - und das auch nur, wenn sie Glück haben.
Aber das wird man im SPIEGEL sicher nie und nimmer zu lesen bekommen: das Therapie auch schädlich sein kann, weil es einen am selbständig werden auch hindern kann - wie jede Über-Moderation und Über-Bepusselung. Da gehen dann sämtliche Therapeuten, die sich in dieser Branche ausgebreitet haben, auf die Barrikaden und die haben eben mehr Einfluss als irgendwelche durch die Mangel gedrehte Alt-Autisten, die dann irgendwann nur noch platt sind vom ewigen Dasein als "dressierter Zirkuspudel".
28.01.13, 21:03:57
schuschu
ich greife nochmal den beitrag von waldstein auf. da ist sicher einiges dran. ich denke dass es Na eltern dabei um ihr eigenes ansehen geht...also rudelverhalten..".was wird man über sie sagen ", zum beispeil dass sie keine guten eltern wären im sinne einer durchschnittlichen NA gesellschaft. also auch angst vor ablehnung usw.?
28.01.13, 21:32:10
Waldstein
schuschu...
Bei den meisten Familien soll der Schein gewahrt werden. Es soll ja immer nach außen so getan werden, als ob alles super wäre. Ist ja bei anderen Themen auch so.
Bei Autisten kommt halt hinzu, dass sie für NTs oft unberechenbar reagieren. Man kann natürlich nicht alle "über einen Kamm scheren", aber viele Autisten verhalten sich halt so, dass es für NTs wie "schlecht erzogen" aussieht (lassen sich z. B. nicht umarmen, sagen nicht ordentlich "Guten Tag", nehmen an Feierlichkeiten nicht teil oder nicht so wie man es von ihnen erwartet). Dann scheitern sie oft auch noch mit Schule, Beruf, Beziehung usw. - kurz: aus Elternsicht geht alles schief. Und dann glotzen noch die Leute oder tuscheln doof. Ist für manche Eltern schwer auszuhalten. Den meisten fehlt das Selbstbewusstsein, dann zu kontern.
Hat irgendwie schon Ähnlichkeit mit dem Umgang mit Homosexuellen in den 1950er Jahren: wenn schon schwul, dann bitte so, dass es die Nachbarn etc. nicht merken. Also nach außen hin den Durchschnittsbürger schauspielern. Viele Eltern finden es wichtiger, was die Nachbarn sagen als dass ihr Kind glücklich ist. Klingt hart, ist aber so. Das hat auch was mit Prestige zu tun, was bei NTs ja doch mehrheitlich einen extrem hohen Stellenwert hat: Beruf, Geld, tolle Familie mit super Kindern - das ist unheimlich wichtig, dass man da viel vorweisen kann. Da liegt für mich fast der größte Verhaltensunterschied zwischen Autisten und NTs: im unterschiedlichen Umgang mit Prestige.
28.01.13, 22:28:14
wolfskind
eine offiziele gegendarstellung der ESH ?
29.01.13, 00:09:43
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http://autisten.enthinderung.de/verbot_autismustherapie
Fragt gerne auch selbst Organisationen, ob sie das unterstützen wollen. Da sieht man dann auch gleich woran man jeweils ist.