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Wie nehmen Autisten die Welt wahr?

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03.05.10, 19:42:35

kelsar

"WIE NEHEMEN AUTISTEN DIE WELT WAHR?"

Das ist die zentrale Frage, die ich in meinem Abschlussprojekt herausarbeiten moechte. Ich bin (nicht-autistische) Studentin fuer Visuelle Kommunikation und als Abschlussarbeit moechte ich etwas machen, was zum besseren Verstaendnis (und mehr Akzeptanz) von Autisten dient. Es soll ein Buch entstehen, das man als Betrachter aufschlaegt und das einen die Welt aus 'autistischen Augen' sehen laesst. Man soll so als "Normalperson" die Moeglichkeit bekommen, sich in autistische Mitmenschen oder die eigenen aut. Kinder hineinzuversetzen, um sie besser zu verstehen.
Dazu wuerde ich euch gerne ein paar Fragen stellen. Wie nehmt ihr die Welt wahr? Die Interviews sollen die inhaltliche Grundlage meines Buches bilden, sofern ihr mir erlaubt, sie zu verwenden. (Ich werde keine Namen nennen!) Ich wuerde mich ueber reichliche Beteiligung freuen. Wer Fragen hat oder sein Interview nicht oeffentlich ins Forum stellen moechte, kann mir gerne auch eine PN schicken. Wir koennen auch dann gern per Email kommunizieren.
Die Fragen sind alle auch auf die Kindheit zu uebertragen. D.h. ihr koennt auch aus euren Erfahrungen bezuegl. der Wahrnehmung als Kind antworten. Es muessen nicht alle Fragen beantwortet werden, die Fragen dienen nur als Richtlinie. Ihr koennt auch ganz frei ueber eure Sicht der Dinge/der Welt schreiben oder Beispiele geben. Ich moechte einfach erfahren:

WIE NIMMST DU DIE WELT WAHR?

1. Wie alt bist du? Bist du m oder w?
2. Welche Form des Autismus wurde bei dir diagnostiziert?
3. Wie wuerdest du deine Welt beschreiben (gerne auch in Bildern)? Wie nimmst du deine Umgebung wahr?
4. Was bereitet dir grosse Schwierigkeiten (z.B. im Alltag)?
5. Was ist dein groesstes Problem (deiner Meinung nach)?
6. Wo oder in welcher Situation fuehlst du dich am wohlsten und wo nicht?
7. Welche Situationen machen dir Angst und warum?
8. Versuche zu beschreiben, wie du Geraeusche und Stimmen wahrnimmst.
9. Wie nimmst du einzelne Menschen wahr? (Mutter, Vater, Geschwister, Freunde)
10. Vielen Autisten faellt der Augenkontakt mit anderen Menschen schwer. Weshalb? Was loest das aus in dir?
11. Warum faellt dir der Umgang mit Menschen schwer?
12. Was ist/war dein staerkster Sinneseindruck?
13. Gibt es ein besonders schoenes/eindrueckliches Erlebnis in Bezug auf deine Wahrnehmung?
14. Welche Formen und Farmen magst du, welche nicht?
15. In welchen Situationen fuehlst du dich unverstanden?
16. Wie fuehlst du dich, wenn du jemanden nicht verstehst (oder wenn man dich nicht versteht)?
17. Was war deine Lieblingsbeschaeftigung als Kind und warum?
18. Viele autistische Kinder spielen am liebsten alleine und stereotyp. Warum ist das so?
19. Wofuer hast du dich als Kind am meisten interessiert? (Hast du ein "Spezialgebiet"?)
20. Hat sich die Wahrnehmung seit deiner Kindheit veraendert?
21. Waerst du gerne nicht-autistisch?
22. Gibt es etwas, was du gerne allen nicht-autistischen Menschen sagen wuerdest?


Ich freue mich ueber viele Beitraege! Danke im Voraus!

kelsar
03.05.10, 20:16:19

55555

Zitat von kelsar:
Es soll ein Buch entstehen, das man als Betrachter aufschlaegt und das einen die Welt aus 'autistischen Augen' sehen laesst. Man soll so als "Normalperson" die Moeglichkeit bekommen, sich in autistische Mitmenschen oder die eigenen aut. Kinder hineinzuversetzen, um sie besser zu verstehen.

Das ist ein hoher Anspruch, der kaum erfüllt werden kann. Mir sind etliche Beispiele für "Aufklärung" bekannt, die neue Irrtümer erzeugten. Wenn du im Forum liest wirdst du einiges erfahren, aber du solltest in jedem Fall ganz vorne im Buch erwähnen, daß sowas nur der Versuch einer Annäherung sein kann und es auf jeden Fall sinnvoll ist Autisten im Internet direkt zu kontaktieren oder in Foren wie diesem nachzulesen um ein besseres Bild zu bekommen.

2. Ist für das Thema wohl ziemlich unwichtig.
3. Stell dir mal vor, dir stellt jemand so eine allgemeine Frage, ich kann so nicht sinnvoll antworten.
4. 5. Ignorante Nichtautisten und deren "Spuren" auf allen Ebenen meiner Umgebung.
6. Ich denke nicht in solchen schwarz-weiß-Schemata. Situationen sind verschieden, manche (un)angenehm auf die eine, manche auf die andere Weise. Das wirkt auf mich wie die Frage: Was ist besser ein Apfel oder eine Banane?
7. Wenn mir jemand Gewalt androht?
8. Vermutlich intensiver als durchschnittliche NA, wenn du darauf hinauswillst.
9. Hier weiß ich wieder gar nicht worauf du hinauswillst.
10. Mir fällt er nicht an sich schwer, er bedeutet mir nichts, von daher ist er für mich eher unwichtig.
11. Tut er nicht, es sei denn die betreffenden Menschen sind weitgehend anders als ich.
13. Eine Menge. Mir kommt es immer wieder so vor, als würden durchschnittliche Nichtautisten relativ wenig von der Welt erleben, mitunter kommen sie mir auch so vor, wie "Geistig Behinderte" oft beschrieben werden.
14. Natürliche Formen und ökologische Farmen.
15. Grobe These: Wenn das Verhalten anderer Menschen mir gegenüber unpassend erscheint?
16. Unverstanden? Je nach Situation und deren Konsequenzen könnte man es noch anders beschreiben. Nicht verstanden zu werden schränkt die Teilhabemöglichkeiten an der Gesellschaft ein. Eine größere Rolle spielt aber wohl Ausgrenzung ähnlich dem Rassismus, denn wer verstehen will, der geht ganz anders auf Menschen zu.
18. Stimmt so nicht. Allerdings läßt man autistische Kinder, die füreinander Empathie hätten wohl selten zusammen etwas tun.
20. Ja.
21. Nein.
22. Wenn es um Autisten geht wendet euch auch an Autisten, nicht an Elternverbände, Ärzte und dergleichen. Nichts über uns ohne uns!
03.05.10, 20:32:45

kelsar

Danke fuer die schnelle Antwort!
Mir ist klar, dass das ein hoher Anspruch ist. Aber ein Versuch ist es Wert. Zuerst wollte ich etwas zur Foerderung von autistischen Kindern machen. Das wurde mir (von vielen Autisten) "ausgeredet", so dass ich nun bei den Nicht-Autisten ansetze. Das scheint mir mittlerweile auch sinnvoller. Das Umfeld soll einfach verstehen, wie sich ein Autist fuehlt (natuerlich kann man nicht allgemeinern! Und es ist mit Sicherheit nur eine Annaeherung.)
Durch Foren versuche ich, Kontakt zu Autisten aufzubauen. So wie jetzt gerade. Die Fragen sind wohl schwer zu beantworten.. das tut mir Leid.. was oder wie sollte ich denn deiner Meinung nach fragen, um ein Bild von der Wahrnehmung von Autisten zu bekommen?
Frage 1 und 2 finde ich eigentlich schon wichtig im Zusammenhang mit Interviews, vielleicht ist die Wahrnehmung je nach Alter, Autismusform oder Geschlecht unterschiedlich.

Wenn es einfacher ist, koennen wir uns auch mal per Chat oder Email unterhalten, vielleicht kommt dabei mehr raus, als wenn einfach nur die Fragen abgehakt werden?

Das gilt fuer alle die das hier lesen, wenn ihr Interesse an einem "Interview" oder Gespraech habt, kontaktiert mich doch bitte. :) Ich wuerde mich sehr freuen, mehr zu erfahren!

Wie 55555 schon sagte: Nichts ueber euch ohne euch!
03.05.10, 22:47:15

drvaust

Zitat von kelsar:
Die Fragen sind alle auch auf die Kindheit zu uebertragen. D.h. ihr koennt auch aus euren Erfahrungen bezuegl. der Wahrnehmung als Kind antworten.
Geht es nur um die Kindheit, die Sicht von Kindern?
Dann kann ich schlecht antworten, meine Kindheit ist schon mehrere Jahrzehnte vorbei.
Oder kann ich auch als Erwachsener antworten?

04.05.10, 00:33:00

Fundevogel

Ich freue mich, dass bei Nichtautisten angesetzt werden soll und beginne als Erstes damit:

Es ist mir immer wieder sehr verwunderlich, wie Menschen in ein Forum plumpsen, sich selbst kaum vorstellen, aber wie selbstverständlich von den Schreibenden sehr persönliche Angaben erbitten.

Als Nichtautistin würde ich dir erst etwas Konkretes erzählen, wenn du dich angemessen verhalten hättest. Deine hier angemeldeten Fragen gehen unter Nichtautisten nicht als Konversation durch.
Wie du weißt, würden dich NA erst einmal beäugen wollen, ehe sie dir ohne dich zu kennen von ihren Diagnosen, ihren Sichtweisen und ihren Sinneseindrücken erzählten.

Bitte hilf mir, diese Haltung zu verstehen. Es riecht mir ein wenig danach, den hier im Forum oft betrauerten Zustand, dass NA über so wenig Wissen über Autismus verfügen, zweckdienlich einzuspannen?
04.05.10, 09:48:16

55555

Aus deinem Fragenkatalog habe ich den Eindruck, daß du noch kaum einen Durchblick beim Thema hast und einfach mal ohne großartige Systematik drauflosfragst wie ein Schülerreporter, der halt irgendwelche Fragen stellen soll und sich dann irgendwas aus den Fingern saugt.

Wie sieht dein Bild der Problematik bisher aus?
04.05.10, 13:25:11

Sossimilo

(das mit den ökologischen Farmen finde ich persönlich witzig, war das Absicht 5x5?)
04.05.10, 13:45:01

kelsar

geändert von: [55555] - 04.05.10, 14:37:42

[Kettenbeitrag zusammengefasst, mfg [55555]]

Zitat von Sossimilo:
(das mit den ökologischen Farmen finde ich persönlich witzig, war das Absicht 5x5?)


Das war ein Tippfehler, sorry, sollte "FARBEN" heissen, ich fand die Antwort auch witzig ;)
Zitat von drvaust:
Zitat von kelsar:
Die Fragen sind alle auch auf die Kindheit zu uebertragen. D.h. ihr koennt auch aus euren Erfahrungen bezuegl. der Wahrnehmung als Kind antworten.
Geht es nur um die Kindheit, die Sicht von Kindern?
Dann kann ich schlecht antworten, meine Kindheit ist schon mehrere Jahrzehnte vorbei.
Oder kann ich auch als Erwachsener antworten?



Du kannst gerne auch aus deiner Sicht als Erwachsener antworten.
04.05.10, 14:38:53

55555

Wie sollte ich etwas unabsichtlich schreiben?
04.05.10, 14:41:33

kelsar

[quote="Fundevogel"]Ich freue mich, dass bei Nichtautisten angesetzt werden soll und beginne als Erstes damit:

Zitat:
Es ist mir immer wieder sehr verwunderlich, wie Menschen in ein Forum plumpsen, sich selbst kaum vorstellen, aber wie selbstverständlich von den Schreibenden sehr persönliche Angaben erbitten.

PLUMPS Es tut mir Leid, dass ich so plump dahergekommen bin.
Ich bin wie gesagt eine Studentin fuer Visuelle Kommunikation im 7. Semester (letztes Semester). Meine Abschlussarbeit soll Nichtaustisten fuer die Wahrnehmung (die Sicht der Dinge) von Autisten sensibilisieren. Zuerst wollte ich etwas zur Foerderung autistischer Kinder machen, da ich selbst eine Freundin mit autistischem Kind habe. Ich bin aber letztendlich zu dem Schluss gekommen, dass das der falsche Ansatzpunkt ist und man vielmehr das Verstehen der Nichtautisten 'foerdern' sollte.
Das Medium, was entstehen soll, darf man sich nicht unbedingt als gewoehnliches Buch mit 100 Seiten Text vorstellen, sondern vielmehr als ein Medium, was dem Betrachter die Welt der Autisten eroeffnet, die Sinne schaerft und sensibilisiert (z.b. durch unterschiedliche Oberflaechen, Farben, Formen, Geraeusche etc). Die Interviews oder Fragen hier dienen als Ergaenzung und als Grundlage fuer die Gestaltung des Buches.
Bitte fragt, wenn ihr Fragen dazu habt!

Zitat:
Als Nichtautistin würde ich dir erst etwas Konkretes erzählen, wenn du dich angemessen verhalten hättest. Deine hier angemeldeten Fragen gehen unter Nichtautisten nicht als Konversation durch.

In einem Chat oder Forum kann das der Beginn einer Konversation sein. Es geht nicht darum, dass ihr die Fragen abhakt, sondern ich faende es selber viel besser, wenn hier ein richtiger Dialog entsteht (so wie jetzt), wo man sich austauscht.

Zitat:
Wie du weißt, würden dich NA erst einmal beäugen wollen, ehe sie dir ohne dich zu kennen von ihren Diagnosen, ihren Sichtweisen und ihren Sinneseindrücken erzählten.

Ich erzaehle gerne mehr von mir. Was interessiert euch denn?

Zitat:
Bitte hilf mir, diese Haltung zu verstehen. Es riecht mir ein wenig danach, den hier im Forum oft betrauerten Zustand, dass NA über so wenig Wissen über Autismus verfügen, zweckdienlich einzuspannen?

Sorry, den letzten Satz versteh ich nicht! :|


Vielleicht wundert ihr euch, warum ich die Frage gestellt habe, wieso ihr anderen Menschen nicht in die Augen schauen koennt, bzw was die Schwierigkeit daran ist. Ich habe sie deswegen gestellt, weil ich ein Buch gelesen habe, was von einem Autisten geschrieben wurde, der die Augen seines Gegenueber als "Scheinwerfer" und "grelle Sonnenstrahlen" beschreibt, die ihn blenden. Geraeusche bezeichnet er als "rauschende Wasser" oder "Donner".. mich interessiert, ob das bei euch aehnlich ist.

Ausserdem schreibt er, dass wenn seine Mutter etwas zu ihm gesagt hat, er die Worte zwar verstanden hat, aber den Sinn nicht, weil die Worte in der falschen Reihenfolge bei ihm "ankamen". Ist das wirklich so? Wie fuehlt man sich dabei? Ich stelle es mir so vor, wie wenn ich im Ausland bin und die Sprache nicht verstehe..

Viele Gruesse
die Reingeplumpste ;)
04.05.10, 15:29:35

Sossimilo

Also ich bin keine Autistin, aber ich schaue Leuten auch nicht gerne in die Augen. Habe gemerkt, wenn ich mit Leuten ein Gespräch führe, das ich wenn ich Blickkontakt habe, nicht so gut zuhören kann.

Mein Sohn ist wahrscheinlich ein Autist, bei ihm bemerke ich oft, das er nicht gerne Blickkontakt hat. Finde ich aber nicht schlimm, wenn das irgendjemand von ihm verlangt, dann sage ich immer, das er es nicht machen muß.

04.05.10, 15:46:13

55555

Zitat von kelsar:
Ich habe sie deswegen gestellt, weil ich ein Buch gelesen habe, was von einem Autisten geschrieben wurde, der die Augen seines Gegenueber als "Scheinwerfer" und "grelle Sonnenstrahlen" beschreibt, die ihn blenden. Geraeusche bezeichnet er als "rauschende Wasser" oder "Donner".. mich interessiert, ob das bei euch aehnlich ist.

Bei Geräuschen ist es etwas anderes, denn die können für alle Menschen zu laut sein, manche Menschen hören halt besser, wie Autisten oft.

Augen jedoch sind kein besonderer Sinnesreiz, an sich nicht anders als andere Dinge auch, denke ich. Ich vermute, daß Autisten hier oft Unbehagen empfinden, weil sie gelernt haben Aspekte um Augen anderer Menschen als Zeichen für eventuell bevorstehende Übergriffe zu betrachten. Hier würden dann nicht die Augen an sich eine entscheidende Rolle spielen, sondern die Erfahrungen, die ein Autist im Zusammenhang mit solchen Signalen gemacht hat.

Ich denke es ist für Autisten nicht "natürlich" vor Augen Angst zu haben, wohl aber Augen nicht so zu bewerten wie NA es tun.
 
 
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