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Umgang mit dem Tod

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28.06.09, 00:24:15

drvaust

Ich denke, das liegt daran, daß die meisten Menschen irgendwelche Idole und Vorbilder brauchen.
Wenn dann so ein Idol stirbt, ist das in ihrer Welt eine Katastrophe.

Ich kann mit einem Vorbild nichts anfangen. Denn ich bin ich, und kein Nachbild.
Diese Vorbilder dienen mir höchstens als gute Beispiele, und das bleiben sie auch nach dem Tod.

Ich verstehe das nicht. Wenn diese Leute krank sind, fühlen sie sich schlecht,
aber wenn ihr Idol krank ist, ist das viel schlimmer.
Sind diese Leute keine selbständigen Persönlichkeiten?

28.06.09, 01:07:39

Andreas K.

Mit dieser Anhimmelei von Popikonen kann ich auch nichts anfangen, obwohl ich in alternativ-Discos ohne diese blöden sexualisierten Standart-Spielchen auch mal tanzen kann.

Herrn Jacksons Tod ist mit egal. Im Übrigen halte mich ihn auch im Nachhinein für einen Päderasten, der seine Kritiker und Opfer mit Geldzahlungen zum Schweigen verpflichtet hat.

Viel schlimmer finde ich es, wenn eine mir bekannte Person stirbt (unlängst geschehen), und die Hinterbliebenen und vermeintlichen Freunde streiten sich um das Erbe und darum, wer die Wohnung der Toten renoviert zurückgeben muß. Das ist doch keine Trauer! Trauer geht nach innen, ist Abschiednehmen und Neuordnung des Lebens der Hinterbliebenen.
28.06.09, 10:40:41

55555

Theoretisch wäre noch denkbar, daß sie bedauern, daß er keine neuen Musikstücke mehr aufnehmen kann, hatte ich gestern noch überlegt.
28.06.09, 11:15:49

quamquam

55555,
das wäre denkbar, aber er hat ja in den letzten Jahren auch keine aufgenommen, also was solls?

andreas,
ja, das hat wenig mit Trauer zutun, aber darum geht es in dem Moment nicht. Ich kenne das aus eigener Erfahrung, als eine sehr gute Freundin von mir verstarb. Ich hatte die Aufgabe, mich um alles zu kümmern und ich war so rational, wie noch nie in meinem Leben. Ich habe funktioniert. Wie ich das gemacht habe, weiß ich nicht, aber es funktioniert.
29.06.09, 09:24:37

Viktor*

geändert von: Viktor* - 29.06.09, 09:28:18

Mich hat sein Tod sehr mitgenommen und das obwohl ich ihn nicht sonderlich mochte, als Prinzessin Diana starb, liess es mich eiskalt beispielsweise und das obwohl so viele meinten, das ich ihr aehnlich sei, als Roy Black starb, hab ich alles zusammen geflennt innerlich, waehrend andere darueber lachten.

Ich denke, das auch Autisten dazu in der Lage sein koennen Mitgefuehl fuer einen Menschen, der nicht mehr ist, zu entwickeln, aber es nicht immer in Traenen ausdruecken, sondern es mehr in sich haben, schliesslich sind Autisten doch keine gefuehlslose Roboter.

P.S. quamquam, das mit Deiner Freundin, ich kenne ja diese Situation von Dir, ist eine typische Reaktion, wenn man unter Schock steht. Das ist ein automatischer Seelenschutz.
29.06.09, 12:06:45

quamquam

Viktor*,
danke, ja, ich weiß, ich hab eine Freundin, die die ganze Zeit aufgepasst hat, damit ich nicht zusammenbreche, weil die Situation nicht zu kontrollieren war, aber ich habe es gut überstanden.
29.06.09, 16:46:53

Wasserspiegel

Ja, das was du schilderst, quamquam kenne ich auch sehr gut. Es ist trotzdem immer gut, ( auch wenn man es nach Außen vielleicht nicht so ausdrücken kann ) ,dass jemand für dich da ist, wenn ein anderer gestorben ist. Manchmal kann man einige Sachen nicht kontrollieren und da bekommen Menschen wie wir, aber auch die anderen manchmal Probleme.
29.06.09, 17:47:42

quamquam

Wasserspiegel,
das stimmt, was mir allerdings in der Zeit recht unangenehm war, ständig wollten meine Freunde in den Arm nehmen, weil sie meinten, dass ich das brauchte. Das war allerdings nicht so. Diese Umarmungen waren sehr unangenehm für mich und ich habe mich immer schnell aus diesen Umarmungen befreit.
29.06.09, 19:44:24

Wasserspiegel

Ach so. Ich habe nur manchmal Probleme mit dem umarmen. Es ist ohne hin so als ob mir alle eher fern blieben und mich "abstoßend" finden, das ist wahrscheinlich nicht das richtige Wort.
Weißt du, manchmal hätte ich mir sogar jemanden gewünscht der mich in den Arm nimmt, aber ich habe anscheinend nach außen sehr abwehrend gewirkt, ich weiß es nicht genau.

Nochmal eine Frage zum Thema tod, ich weiß nicht ob das jetzt ganz hierher passt aber ich frage einfach mal: Meine Tante, die ich leider nicht kennen lernen durfte, da sie sich suizidierte, hat laut Aussagen meiner Eltern auch so Charakteristica aufgewiesen wie ich.
Da ich ihr eben ähnlich war hatten meine Eltern oft Angst, dass ich mich auch suizidiere. Für diese Annahme gab es aber keinen konkreten Grund. Es ist so, meine Tante soll angeblich "manische Depression" gehabt haben. Was mein Verdacht bei der ganzen Sache ist, dass vor ca. 40 Jahren Autismus noch nicht wirklich festgestellt werden konnte und so etwas deshalb als eine vorrübergehende Phase fehlgedeutet wurde. Ich fühle mich auf eine seltsame Weise mit ihr verbunden. Ich habe Abschriften ihrer Tagebücher gelesen, sowie Schmuckstücke aus von ihr filigran gefertigten Email gesehen. Sie fühlte wirklich so wie ich. Sie hatte ähnliche Interessen, es ist seltsam. Ich finde es sehr schade das ich sie nicht kennenlernen durfte...

Was meint ihr dazu könnte es sein, dass es ein "versteckter" Autismus war?

Meine Familie mütterlicherseits wurde deshalb auf ein Abstellgleis gestellt. Deshalb bekam ich nach der ersten Sitzung bei einer Psychologin die Diagnose "manisch depressiv" nur weil meine Mutter von ihrer Schwester gesprochen hatte. Leider war ich gegen die Therapie für manisch-depressive Immun, es gab keine Verbesserung. Außerdem hatte ich meine Probleme ja nicht Phasenweise und nicht erst "seit gestern" sondern schon immer. Manchmal hab ich das Gefühl, das einige Psychologen auf einem Ohr taub sind...
29.06.09, 20:02:41

quamquam

Eine Diagnose und Vermutung zu Deiner Tante möchte ich nicht stellen.

Nun, meine Freunde, ich habe welche, machen das schon und wollten mich trösten. Sie haben keine böse Absicht dabei gehabt. Ich konnte sie ja schon verstehen, sie haben ja nur von sich auf mich geschlossen und konnten kaum erahnen, dass ich das nicht wirklich möchte.
29.06.09, 20:13:40

Wasserspiegel

Ja, das kann schon sein. Ich meinte nur vor ca. 40 Jahren, war ja auch die Forschung und das Erkenntnis über Autismus noch recht schlecht (manchmal scheint mir das allerdings heute noch so). Da könnte es ja möglich sein... Kann man heute halt nicht mehr nachvollziehen ob es das war, denn sie ist immerhin nicht mehr da und kann mir somit auch nicht mehr antworten.
29.06.09, 21:39:47

55555

Ja, es kann gut sein, daß damals aus heutiger Sicht falsch diagnostiziert wurde.
 
 
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