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Auswirkungen von Überbehütung bei Autisten

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26.11.08, 18:03:12

Miezekatze

Zitat von stringbound:

Wenn deine Tochter deine Hand nimmt, läßt du dich dann durch IHRE Welt führen oder führst du sie durch DEINE Welt?


ich fürchte, eher durch meine.
29.11.08, 08:36:33

Hans

geändert von: Hans - 29.11.08, 08:50:31

Die Folgen zu starker Behütung habe ich auch schon sehr direkt erlebt:
Als ich so fünf bis sechs Jahre alt war hatte ich einen Tretroller,
aber nicht so ein "Witzding" wie heutzutage,
sondern so richtig mit großen Luftbereiften Speichenrädern.
Mit diesem bin ich die Fußwege in der Siedlung schon zügig auf und ab gefahren.
Eines Tages ist meine Familie zum Gemeinschaftshaus gegangen,
das heißt ich bin mit dem Roller mit.
Dort im Gebäude ist eine "Säulenhalle", da ist eine Anzahl viereckige Betonsäulen so angeordnet,
daß ich gleich gesehen habe welche Slalom-Tour ich dazwischen legen kann um an jeder Säule
einmal vorbei zu kommen.
Man könnte das mit dem Fachwort mäandern beschreiben.

Ich habe also fest angeschoben und bin mit Schwung auf die erste Säule zu.
Mein Vater der meine Rollergeschicklichkeit nicht richtig einschätzen konnte,
rief mir nach: "Hansi paß´ auf, da is´ a Säule!".
Gut dressiert wie ich war habe ich auf den Anruf meines Vaters
ihm den Kopf zugewendet.
Als ich wieder nach vorne schaute war ich 20 cm vor einer Kante der Säule.
Ich konnte einen Bremsvorgang nicht mehr einleiten,
und habe direkt mit dem Kopf gebremst.

Beim Nähen im Krankenhaus sind mir noch die Worte des Arztes in Erinnerung:
"Du mußt Dir mal ein breiteres Hirn anschaffen, damit die Narben noch Platz haben."
(mit Hirn wird in Bayern die Stirn bezeichnet)

Was mich aber schwer runtergezogen hat war die Anmerkung meines Vaters:
Vielleicht müssen wir ihm einen solchen "Sparringshelm" besorgen,
wie man ihn für "Fallsüchtige Kinder" hat.

Damals habe ich das Gefühl bekommen,
daß mit mir etwas nicht in Ordnung ist.

Bin ich ein "Fallsüchtiges" Kind?

Ja , Kind bin ich nicht mehr.
29.11.08, 09:35:48

Löwenmama

Also blaue Flecken,Schürfwunden,Beulen und kleine Platzwunden sind bei meinen Jungs an der Tagesordnung...mein Grosser ist eigentlich sehr selbständig und kann seine Freiräume schon auch geniessen...aber oft kommt er dann eben mit Verletzungen heim vom Sportplatz oder vom Fahrradfahren,weil er sich eben doch überschätzt hat...und beim Kleinen kann ich so schnell nicht gucken,wie er sich irgendwo die Finger gequetsch hat oder sich kopfüber irgendwo runterstürzt...zum Glück konnte ich bisher schlimmeres meistens abfangen...
18.12.13, 17:09:27

55555

Aus einem Newsletter der dem Herrn Hüther nahestehenden Sinn-Stiftung:
Zitat:
Helfen können Sie zum Beispiel auf der kidsfarm: Ein mit der kidsfarm verbundenes Kind, das dort tiergestützte Therapie erhalten hat, ist jetzt in ein Heim gekommen ... Mit 340 Euro kann das Kind zu dem sonst nicht finanzierten Kidscamp im Sommer auf dem vertrauten Hof und mit den Tieren eingeladen werden. Das ist ein echtes Weihnachtsgeschenk mit Sinn!

Zitat:
kidsfarm – Tiere fordern & fördern Kinder (zwischen Salzburg und München)
Der Sinnkubator für die Ursprungsidee der Aktiv-Höfe!
Eva Winter, die mit Mirko Dillmann den Hof betreibt, sagt: „Das ist die Verwirklichung unserer Kindheitsträume vom Bauernhof, dem Leben und Arbeiten mit Natur und Tieren, im Besonderen mit Pferden. Unser Wunsch war es, Kinder an diesem Traum teilhaben zu lassen, die Welt der Tiere für sie erlebbar zu machen, nicht passiv als Betrachter, sondern sie zu integrieren in das alltägliche oder besondere Geschehen.

Quelle

Nun fördert er Tiertherapien? Was da dann wohl wieder zugrundegelegt wird?
18.12.13, 22:53:58

Perunica

Für mich liest sich diese "kidsfarm" eher wie Ferien auf dem Bauernhof, nicht wie tiergestützte Therapie. Von solchen Therapien habe ich beim Überfliegen der Seite nichts gelesen.
Der Grundgedanke, das Kinder wieder in den Rhythmus der Natur und ihrer Jahreszeiten finden können, klingt zuerst mal gut.
Und wie kommt die Summe von 340 € zustande?
19.12.13, 03:57:07

Bicycle

Um auf den Eingangsbeitrag einzugehen:
Ich würde sagen dass das auch auf Autisten anzuwenden ist.
Das Gehirn verändert sich mit der Aktivität die man ausübt.
Wenn man ständig nur herumgeführt wird, wird meiner Meinung nach auch ein Autist nicht richtig lernen eigenständig und frei zu sein - bezogen auf das eigene Erleben und eigene Tun.

Diese "Kidsfarm" macht auf den ersten Blick exakt das. Führt das Kind wieder dazu selbständig wahr zu nehmen, unabhängig von anderen Menschen.
Zitat:
Es geht darum, Verantwortung zu übernehmen, für sich selbst (meinen Körper, mein Denken, mein Fühlen, mein Handeln) und Andere (Mitmenschen, Tiere, Pflanzen ...).
http://www.kidsfarm.info/
Das klingt für mich persönlich nicht schlecht. Wieso man das "Therapie" nennen muss, weiß ich nicht. Eigentlich macht das jeder Mensch, wenn man ihn nur lange genug in Ruhe lässt.
Nach tiergestützter Therapie, um irgendwelche Symptome zu beseitigen oder den Menschen von Außen zu verbiegen, sieht das auf den ersten Blick für mich nicht aus.
Eher wird das Tier und die Natur als Spiegel wahrgenommen.
Allerdings habe ich auch nur das gelesen was auf der Webseite steht. Wie der Alltag dort tatsächlich ausschaut, kann natürlich auch wieder anders sein.
19.12.13, 13:50:32

starke Dame

Ja, überbehüten passiert mir auch.

Ich kämpfe dagegen an, doch fällt es schwer im richtigen Moment los zu lassen, da müssen Eltern auch an sich arbeiten, damit sie den richtigen Moment nicht verpassen.

Mein Sohn hat eine Gefahreneinschätzung, doch manchmal denkt er doch nicht daran, dass auf Straßen Autos fahren. Alle Übergänge ohne eine Ampel sind für uns problematisch.

Mal passt er auf - mal zu flüchtig, allerdings weiß er, dass Autos gefährlich sind.

In Gefahrensituationen ruf ich nicht hinterher, ebend aus dem Grund, dass es nichts bringt, man könnte damit alles verschlimmern.

Einmal lief mein Sohn über eine Straße - ohne zu schauen - ich rief hinterher, Du musst schauen, ob ein Auto kommt. Er, rennt - ohne zu schauen - zurück. Hält dann die Verkehrsregeln ein und läuft ordnungsgemäß rüber.

Das ging alles so schnell, ich konnte garnicht eingeifen, es war pures Glück, dass nichts passierte.

Doch geht er nicht an der Hand, das wollte er nie, ich verlange es nicht.
 
 
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